Sehr geehrter Anonymus bzw. Kanalbetreiber FreiVon!

Zu Ihrem Clip gäbe es einiges zu sagen, in mehrfacher Hinsicht.

A) Als Aufhänger verwenden Sie die Äußerungen von Herrn Stefan Dräger, aus einem Beitrag der Welt:
Herr Dräger war der Ansicht, es solle ein freiwilliges Impfangebot an alle geben.
Wer das ablehne, solle dann als Konsequenz im Falle einer Covid-Erkrankung keine Krankenhaus-Behandlung mehr erhalten.

Sie prangern das, diese Haltung, die ja die Aufhebung der Solidargemeinschaft im Gesundheitswesen bedeuten würde, an.
Die Solidargemeinschaft im Gesundheitsweisen, sie ist ein hohes Gut, um die lange gekämpft und gerungen wurde.
Die Solidargemeinschaft stammt sogar noch aus der Kaiserzeit, sie wurde damals, am 15. Juni 1883 unter dem Reichskanzler Otto von Bismark als "Gesetzt betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter" erlassen.

Mir persönlich ist keine Partei in Deutschland bekannt, die die von Herrn Stefan Dräger im Interview mit der Welt vertretene Ansicht einer Nicht-Behandlung nach Ausschlagung eines Impfangebotes im Programm hätte oder auch nur darüber nachdenken würde.
Auch innerhalb der großen Familie Dräger ist mir nicht bekannt, daß andere Mitglieder der Familie den Kurs von Herrn Dräger hier mittragen würden.
Ich persönlich bin schlicht und ergreifend der Ansicht, daß sich mein Neffe hier, in dem Punkt geirrt hat.
Daß Sie, Herr Anonymus, das via YouTube anprangern, dem auch vehement entgegentreten, ist legitim, nachvollziehbar, verdient sogar Anerkennung.

Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, wie mein Neffe zu dieser doch offenbar verstiegenen Ansicht gekommen sein mag.
Ich weiß, daß er, gerade in Covid-Zeiten, bei seinen Reisen in die verschiedensten Ländern, wo oft auch ein schmerzlicher Mangel an Beatmungsgeräten herrschte, auf zahlreichen Intensiv-Stationen zu Besuch war, das Leid der an Covid-Erkrankten und eben oft deren Sterben in Hilflosigkeit der behandelnden Ärzte vermutlich aus nächster Nähe mitansehen mußte.
Das muß teilweise erschütternd für ihn gewesen sein.
Eines ist unstrittig: Die deutliche Mehrzahl der Covid-Erkrankten, die auf einer Intensiv-Station landen, sind n i c h t geimpft!
Wer mir in dem Punkt nicht folgen möchte, sollte hier mit dem Weiterlesen bitte aufhören, denn, es wäre Zeitverschwendung.
Gerade beim Thema Covid, Corona-Virus, schlagen ja die Emotionen hohe Wellen - dennoch, man sollte versuchen, auf dem Teppich zu bleiben, den Realitäten ins Auge zu sehen.
Mir sind Fälle bekannt, in denen führende Vertreter der Querdenker-Bewegung, an Covid erkrankt, auf der Intensivstation landeten, und dort immer noch die Ansicht vertraten, es gebe gar keine Corona-Erkrankung!

Also, nochmals: Mit Ihrer vehementen Kritik an der Haltung von Herrn Stefan Dräger, Impfverweigerer im Falle einer Covid-Erkrankung eine Behandlung zu verweigern, bin ich bei Ihnen.
Ein Erlebnisbericht, aus Quebec, Besuch beim Militär:
Ein Arzt, jedenfalls ein solcher, der etwas auf sich hält, versorgt, als Canadier in Afghanistan im Einsatz, auch zuerst einen sterbenden Taliban-Kämpfer mit einem Lungenschuß, und fertigt einen (amerikanischen) Soldaten, mit einem Beinschuß, der sich bei ihm beschwert: "Why do you treat this man - this is a Taliban, and he shot our comrades" mit den Worten ab: "This man is more seriously injured. And, by the way, I am Major, and you shut up."

Mein Beifall für ihren Clip hält sich aber in Grenzen:
Grundsätzlich: Sie lassen Ihren Beitrag unter der Fahne "Kommentar" segeln, obwohl Ihnen als Vollprofi doch bewußt ist, daß es weit mehr ist als ein Kommentar, sondern im Grund genommen ein Angriff gegen die Geschäftspolitik des Dräger-Konzerns. Klar: Sie wollen die Freiheit des Wortes für sich in Anspruch nehmen, meinen, wenn Sie Ihren Angriff als "Kommentar" verniedlichen, dann würde man in Ihren
e i g e n s t ä n d i g e n Beitrag, der er ja nun unstrittig ist, nicht mehr so genau hinsehen.
Ich frage mich, und ich frage mich das ernsthaft, warum ein Mann von Ihrem geistigen Format es nötig hat, seine wahre Intention so zu vernebeln, anstatt mit Ihrer Kritik am Dräger Konzern mit einem eigenständigen Beitrag aufzutreten, nicht verniedlicht als "Kommentar".


B) Sie verwenden ein Portrait von Herrn Stefan Dräger, geklaut von einem Beitrag der Lübecker Nachrichten:
https://www.ln-online.de/der-norden/luebeck-so-will-stefan-draeger-seine-nachfolge-im-unternehmen-regeln-MF3LBVGA55HPVM22QG4RXQ YVBY.html

Gemäß Kunsturhebergesetz, § 28, gilt: "Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden."
Das Recht am eigenen Bild gilt übrigens auch für Personen mit Prominentenstatus, hierzu gibt es BGH-Entscheidung aus dem Jahr 2008: BVerfG, GRUR 2008, 539, 541.
https://www.kanzlei.law/medien-und-presserecht/bildnisschutz-fuer-prominente/#:~:text=Ausgangsnorm%20zum%20Bildnisschutz%3A%2 0%C2%A7%2022%20KUG,-Ausgangspunkt%20jeder%20juristischen&text=Danach%20d%C3%BCrfen%20Bildnisse%20nur%20mit,steht% 20jeder%20nat%C3%BCrlichen%20Person%20zu.

Sie mögen sich sagen: "Recht und Gesetz, das war einmal, das interessiert mich alles nicht mehr", und viele YouTuber mögen Ihnen in diesen Ansichten folgen.
Zu Recht und Gesetzt habe ich die Möglichkeit genutzt, mir in den vergangenen Jahrzehnten meine eigenen Ansichten zu bilden.
So habe ich, als Initiator, ein Volksbegehren zum Stop der Rechtschreibeform in Gang gebracht 1996, und, gegen alle Widerstände seitens der Landesregierung, seitens der Lobbyisten der Schulbuchverlage, 1998 per Volksabstimmung durchgebracht. Nur, um nach weniger als einem Jahr mit ansehen zu müssen, wie die sog. "Volksvertreter" "mein" per Volksentscheid beschlossenes Schulgesetz zum Stop der Rechtschreibreform wieder kassierten, mit einem "Lex Dräger" in derselben Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtages, genauer mit einer Änderung der Landesverfassung (!), daß in Zukunft Volksentscheide nach einem Jahr Frist vom Landtag mit einfacher Mehrheit wieder aufgehoben werden dürften. Die Änderung wurde notwendig, denn lt. Verfassung des Landes Schleswig Holstein heißt es, übrigens noch immer: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus."
Mit diesem Kommentar zu Ihrem Clip meldet sich also nicht einfach "nur" der Onkel von Stefan Dräger, sondern ein Mann, der in der Bundesrepublik mit Recht und Gesetz so seine eigenen Erfahrungen machen durfte, und der auf das "herrschende System", wenn man das mal so nennen möchte, nicht immer gut zu sprechen ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dadurch, daß sie widerrechtlich ein Portrait von Herrn Stefan Dräger in ihrem Beitrag eingeblendet haben, dieses genutzt haben, stünde Herrn Stefan Dräger ein Löschungsanspruch zu, daß also Ihr mit einiger Mühe aufbereiteter Clip aus dem Kanal entfernt wird.
Ich vermute, der Anspruch würde durchgehen, denn auch YouTube ist kein rechtsfreier Raum, das weiß kaum niemand besser als Sie, der Sie am Abspann mit dem Gesetz kommen (das Sie, Herr Anonymus, letztlich einen feuchten Kehricht schert).

C) In Ihrem Kommentar, sehr geehrter Herr Anonymus, bringen Sie Ihre ablehnende Haltung gegenüber der Geschäftspolitik des Dräger-Konzerns zum Ausdruck.
Ihnen gefällt nicht, daß Herr Stefan Dräger entschieden hat, in bestimmten Produktbereichen ganz oder zeitweilige keine Rabatte mehr beim Verkauf einzuräumen. Sie sehen hierin eine Profitmaximierung, Goldbarren werden mehrfach plakativ im Bild gezeigt.
Das mag ja geschickt eingefädelt sein, und einfache Gemüter lassen sich davon sicher beeindrucken.
Profit! Gewinn! Dräger verdient an Beatmungsgeräten!
Von den Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, machen Sie sich vermutlich keine Vorstellungen.
Von Ihnen wird als Konzern, einem der Marktführer weltweit in Sachen Beatmungsgeräten, daß sie, von jetzt auf gleich, jede beliebige Menge an Beatmungsgeräten liefern können.
Herr Stefan Dräger hat es fertiggebracht, die Produktion innerhalb kürzester Zeit auf die geänderten Bedürfnisse anzupassen.
Das ist eine große unternehmerische Herausforderung - da müssen Fertigungskapazitäten aufgebaut werden, Hunderte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesucht und eingestellt werden, und, und und.
Und - was ist, wenn die Nachfrage mal abebbt, was ja vorhersehbar ist?
Sie benötigen auch Rücklagen, um Mitarbeiter noch weiter beschäftigen, oder wenigstens noch bezahlen zu können.
Das ist nicht immer einfach - beschäftigen Sie einmal etliche Mitarbeiter in der Produktion, z. B. in Shanghai, wenn diese, per Parteibeschluß der KP Chinas, zu Hause in Quarantäne zu bleiben haben - für Wochen!
Mit der Führung eines solchen Konzerns sind etliche Risiken verbunden, von denen Sie sich wohl kaum eine Vorstellung machen.
Da muß dann auch mal etwas verdient werden, um ein qualifiziertes Überleben des Konzerns vor dem Hintergrund der weltweiten Konkurrenz zu sichern.

Ihre Kritik an der Preispolitik des Dräger-Konzerns mag aus Ihrer Sicht berechtigt sein. Es steht Ihnen zu, diese Kritik zu äußern, auch vehement.
Wenn Sie aber dabei so weit gehen, neben einem Gebäudes des Dräger-Konzerns eine Teufels-Maske zu drapieren, dann geht das zu weit. Sie treten hier ein in den Bereich der Rufschädigung, sie machen sich bzw. Ihr Unternehmen, das die YouTube-Clips hochlädt, haftbar, gegen Schadensersatzanspruche, und zwar nicht von Herrn Stefan Dräger, sondern seitens des Konzerns.
Es gibt, abseits von juristischen Fragen, noch einen ganz anderen Aspekt: Mit Ihrer bildlichen Darstellung, Dräger-Konzern mit Maske, diskreditieren Sie den Konzern und die Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sie mögen stolz darauf sein, daß es Ihnen, offenbar ohne nachteilige Folgen, möglich war, den Dräger Konzern in einem schiefen Licht darzustellen.
Eines Tages aber werden wir alle, Sie und ich, wie alle anderen Menschen auch, einmal vor der Pforte von Petrus stehen, und Einlaß begehren.
Dann werden Sie sich fragen, fragen lassen müssen: Was habe ich getan, was habe ich unterlassen. Welche F o l g e n hatten meine Handlungen?

D) Wir kommen jetzt zum dunkelsten Punkt Ihres Beitrages:
Unter C) hatte ich oben bereits bemerkt, daß Sie, unter Verstoß gegen § 28 Urhebergesetz, sich ein Portait von Herrn Stefan Dräger aus dem Netz geholt und widerrechtlich in ihren Clip "Dräger-Chef möchte Menschen sterben lassen" eingesetzt haben.

Damit nicht genug:
Das von Ihnen verwendete Portrait von Herrn Stefan Dräger erweckt den Eindruck, als sei mein Neffe von einem Exzem gekennzeichnet, von einem Ausschlag, der sich vor allem über die linke Gesichtshälft erstreckt.
Im Original-Bild der Lübecker Nachrichten (siehe Link oben), ist davon auch nicht ansatzweise etwas zu sehen.

Mit anderen Worten:
Sie halten es für möglich, das Konterfei des Mannes, den Sie persönlich angreifen wollen, dessen M e i n u n g Ihnen offenbar nicht gefällt, dadurch herabzusetzen, indem Sie via Photoshop oder anderer Bildbearbeitungsprogramme Partien im Portrait von Herrn Stefan Dräger, die eine leicht abweichende Pigmentierung haben, nachbearbeiten: gewisse Partien werden hervorgehoben, weitaus dunkler gemacht, als sie in Wirklichkeit sind, sie werden hervorgehoben.
Sie wissen ja, daß Sie sich auf dünnem Eis bewegen, Sie wissen ganz genau, w a s Sie machen, daß Sie damit in den Bereich des § 187 des StGB eintreten
https://dejure.org/gesetze/StGB/187.html

§ 187
Verleumdung
Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Sie machen durch Ihre unstrittige Bildmanipulation Herrn Stefan Dräger öffentlich verächtlich, indem sie ein von Ihnen geklautes Bild
m a n i p u l i e r e n.
Punkt.

Ich leite seit 40 Jahren einen spirituellen Verlag. Ich bin es gewohnt, mich in die Lage anderer Leute hineinzuversetzen.
Wenn ich mir vergegenwärtige, wie Sie vor Ihrem Bildschirm sitzen, und via Photoshop das Portrait eines Menschen bildlich bearbeiten, dessen Ansichten Ihnen nicht gefallen, den Sie nicht mögen, mit der Tendenz, dem Menschen etwas anzudichten, was er in Natura nicht hat, dann wird mir ganz anders.
Ich sehe da, für den Charakter eines solchen Menschen, sehr geehrter Herr Anonymus, Abgründe vor mir.
Und, bevor ich mich abwende, taucht eine letzte Frage vor meinem geistigen Auge auf:
Jemand, der es für möglich hält, einem Menschen, dessen Meinung ihm nicht gefällt, in seinem Portrait zu manipulieren, ihn zu verunstalten - wie hält es eine solche "Persönlichkeit" mit dem Umgang mit dem I n h a l t seiner Texte, mit den Inhalten seines Kanals?

Wie gesagt, das war die letzte Frage, die sich mir stellte, womit ich Sie und Ihre Followerinnen und Followern, die sich von Ihnen und Ihrer Art angesprochen fühlen, dann in ihren eigenen Gewässern segeln lasse.

Da ich für Offenheit und Transparenz bin: Gezeichnet,
Matthias Dräger, Lübeck.